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Gesundheit ist nicht gleich Gesundheit: der Gender Health Gap

Gender Pay Gap, Data Gap, Political Representation Gap: Jede “Gap” adressiert eine spezifische Ungleichheit, beispielsweise zwischen Bevölkerungsgruppen, Repräsentation, verteilter Care Arbeit* oder Einkommen.  

All diese Lücken sind potenziell folgenschwer, aber nur der “Gender Health Gap” gefährdet so direkt Leben. Er beschreibt die strukturellen Nachteile von Frauen im gesamten Gesundheitssystem. So haben Frauen häufig längere Diagnosezeiten, höhere Fehldiagnoseraten und schlechtere Behandlungsergebnisse (1). Sie verbringen in dem Zuge auch 25% mehr Zeit in schlechter Gesundheit als Männer (2).  

Das liegt daran, dass viele medizinische Studien, Leitlinien und Medikamente überwiegend auf männlichen Körpern basieren (2). Allerdings verlaufen Krankheiten und Medikamentenwirkungen bei Frauen anders als bei Männern (3). Eine gendersensible Behandlung ist also notwendig, in der Realität werden Krankheiten bei Frauen aber eher später erkannt, anders bewertet oder weniger wirksam behandelt.  

Telemedizin als Lösungsstrategie, um Ungleichheiten auszubalancieren

Die Digitale Medizin kann immens dazu beitragen, Lücken in der ungleichen Versorgung der Geschlechter zu schließen (4). So bietet sie zum einen die niedrigschwelligste Form des Versorgungszuganges. Teletherapie senkt hier beispielsweise die Zugangsbarriere zu Therapieformen und da Angst- und Depressionsstörungen häufiger Frauen treffen, wird hier direkt auf ungleiche medizinische Verhältnisse eingewirkt.  

Zum anderen liefert Telemedizin ideale Voraussetzungen für eine optimierte Datenerhebung. Dadurch können geschlechterspezifische Symptome und Unterschiede gezielter analysiert werden und Versorgungsmodelle dadurch geschlechtssensibel angepasst werden.  

Telemedizin kann somit als Teil einer gesamten Lösung Zugänge verbessern, Diagnosezeiten verkürzen, geschlechtsspezifische Daten systematischer erfassen und PatientInnen zu mehr Selbstbestimmung verhelfen.  

Beispiel für digitale Tools: Queermed

Ein gutes Beispiel für eine geschlechtersensible medizinische Versorgung mittels digitaler Tools liefert die Webseite www.queermed-deutschland.de . Sie bietet Zugriff auf ein deutschlandweites Verzeichnis von ÄrztInnen und Praxen, die geprüft geschlechtersensibel agieren und trägt somit dazu bei, dass Personen jeden Geschlechts selbstbestimmte und respektvolle Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen können. Hier werden aktiv Barrieren reduziert und Zugänge geschaffen.  

Anlässlich des Weltfrauentags am 08. März waren wir wieder in Jena unterwegs und haben Sie gefragt: Welche Fakten zum Gender Health Gap schätzten Sie als wahr oder falsch ein?

Wie viel Prozent der medizinischen Forschung werden für weibliche Gesundheit aufgewendet, sind es 5% oder 15%? Bei dieser Frage war sich unsere kleine Runde nicht sicher, 5% - klingt aber auch nach wirklich wenig Forschungsinvestment. Darüber, dass Frauen später und seltener Schmerzmittel erhalten, waren sich unsere Teilnehmenden aber direkt sicher. Welche weiteren Fragen wir gestellt haben und wie unsere Gruppe geschätzt hat, können Sie in dem Reel nachschauen.  

Gender Health Gap (Eigene Darstellung): Quelle: Gender Health Gap / AXA.

Quellen:

  1. Jia, J., Jia, C., Zhang, X. et al. The impact of internet medical service on rural gender inequality in health opportunity: a cross-sectional study. BMC Public Health 24, 3093 (2024). https://doi.org/10.1186/s12889-024-20575-w. und Moley, Kelle, Closing the gender health gap is a $1 trillion opportunity, (2024). Closing the gender health gap is a $1 trillion opportunity.
  1. Ebd.
  1. Criado-Perez C, Singh S. Unsichtbare Frauen: wie eine von Männern gemachte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert / Caroline Criado-Perez. Aus dem Englischen von Stephanie Singh. München: btb; 2020. 494 p.
  1. Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema „Interaktive Technologien für eine geschlechtsspezifische Gesundheit“, (2024). https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2024/07/2024-07-12-Bekanntmachung-Gender-Health-Gap.html.
  1. Gemeinsamer Bundesauschuss Innovationsausschuss, Gender health Gap: Frauen erkranken anders, (2025). https://innovationsfonds.g-ba.de/service/projekteinblicke/heartgap/.

*Care-Arbeit sind Tätigkeiten, bei denen man sich um andere Menschen kümmert, z. B. Kinderbetreuung, Pflege oder Hausarbeit. Sie ist wichtig für die Gesellschaft, wird aber oft wenig oder gar nicht bezahlt.